FDP Stadtverband Hennef

Interview des ADFC zur Kommunalwahl 2020

 

Der ADFC, Ortsgruppe Hennef, hat zur Vorbereitung auf die Kommunalwahl 2020 den Parteien einen Fragenkatalog geschickt, den wir gerne teilen möchten. Neben unserem Verkehrskonzept stellt das Interview noch einmal detailliert unsere Einstellung gegenüber der Verkehrssituation in Hennef, insbesondere für Radfahrer, dar.  

 

1. Welche Bedeutung sollte der Radverkehr in Alltag und Freizeit haben?

Grundsätzlich sind uns alle Verkehrsteilnehmer wichtig. Deshalb ist es für uns bedeutsam, allen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden, in dem wir ein Verkehrskonzept entwickelt haben, dass die Sicherheit und den Verkehrsfluss für Radfahrer, aber auch Fußgänger und dem motorisierten Verkehr deutlich verbessert, so dass alle Verkehrsteilnehmer gestärkt werden können. Hier ist unser Nachbarland Holland uns voraus.

Auf den Radverkehr bezogen, gerade bei den Mitgliedern der FDP in Hennef ist ein überwiegender Teil sowohl im Alltag als auch in der Freizeit sehr aktiv mit dem Fahrrad unterwegs. Das spiegelt sich natürlich auch in den politischen Gedanken, z.B. bei der Entwicklung des angesprochenen Verkehrskonzeptes wider.

 

2. Wird sich Ihre Partei für eine Radstation am Bahnhof einsetzen und wo soll diese entstehen?

Wir halten eine solche schon seit langem für unbedingt notwendig. Sie hätte zunächst im alten städtischen Parkhaus, später in dem auf diesem Grundstück entstehenden Gebäude integriert werden müssen. Leider war der politische Wille der anderen handelnden Parteien hier nicht groß genug.

Eine Integration in das bestehende P+R Parkhaus halten wir für nicht wünschenswert. Wir wären für einen Neubau auf dem Place-Le-Pecq unmittelbar an die Mittelstraße angrenzend. Dann könnte der Platzcharakter weiter erhalten bleiben. Unbedingt wichtig ist uns aber ein abgestimmtes Konzept, bestehend aus Fahrradparkhaus und einem Betreiber, der weitere Serviceleistungen in Bezug auf Fahrräder (Z.B. Verkauf, Reparatur, Leih, usw.) anbietet.

 

3. Besteht Ihrer Meinung Bedarf für weitere Fahrrad-Abstellplätze im Hennefer Zentrum und in Uckerath?

Gerade mit Blick auf die Nachhaltigkeit für die Zukunft wird der Fahrradverkehr hoffentlich immer mehr werden. Es ist daher eine logische Konsequenz, dass überall im Stadtgebiet ausreichend Fahrradstellplätze, einschl. Lademöglichkeiten für E-Bikes, zur Verfügung gestellt werden müssen. Und das nicht nur an neuralgischen Stellen. Sondern vielmehr überall.

 

4. Wird Ihre Partei für die Frankfurter Straße und die Innenstadt einen Ringverkehr mit konsequenter Einbahnstraßenführung und Verwendung der freiwerdenden Verkehrsflächen für Fußgänger sowie Radfahrer unterstützen? Welche Alternativen sehen Sie stattdessen?

Die FDP-Fraktion hat ein umfassendes Verkehrskonzept für Hennef City erarbeitet, als Antrag zur Umsetzung an die Stadt und zur Information der Bürgerinnen und Bürger an die Presse und in die sozialen Medien gesendet.

Wir möchten eine komplette Neuplanung und Umgestaltung des Straßenabschnitts Frankfurter Straße, zwischen Kreuzung Beethoven Straße bis Ladestraße und die Einrichtung eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs mit Tempo 10 Zone, in der Individualverkehr mit max. 10 km/h erlaubt ist. Wir fordern die Einrichtung eines farblich deutlich gekennzeichneten Fahrradweges, ein durchgängiges Höhenniveau durch Auffüllung der Fahrbahn mit Asphalt bis zur Bürgersteighöhe und die Entfernung der Laternen in der Straßenmitte.

Wir erhoffen hierdurch eine Umleitung des Durchgangsverkehrs auf Beethoven-, Mozart-, Bahnhof- und Ladestraße oder die BAB 560 und letztlich eine Reduzierung des Verkehrs auf zielorientierten Einkaufsverkehr ohne Sperrung der Straße, sowie eine optische Aufwertung der Straße für den Einzelhandel. Dies käme auch dem Fahrradverkehr deutlich entgegen.

 

5. Unterstützt Ihre Partei die Ausweisung weiterer Fahrradstraßen u.a. die Kurhausstraße als bedeutende Nord-Süd Verbindung?

Wir unterstützen ausdrücklich die Einrichtung von Fahrradstraßen. Diese müssen natürlich im Zusammenhang mit der gesamten Verkehrsinfrastruktur betrachtet werden. Gerade bei der Kurhausstraße muss die Bonner Straße mit betrachtet werden. Wir fordern eine komplette Neuplanung der Bonner Straße, mit deutlich ausgewiesenen Fahrradwegen. Wenn dies keine Zustimmung erhalten sollte, so müssen adäquate Alternativen genannt werden.

 

6. Wie können die vom ADFC vorgeschlagenen Radpendlerrouten von Hennef nach Uckerath und Happerschoß/Heisterschoß möglichst rasch realisiert werden?

Ausreichender politischer Wille mit Mehrheiten im Stadtrat, sowie die erforderlichen finanziellen Mittel würden dies eindeutig beschleunigen.

Wir sind jederzeit bereit für entsprechende Anliegen zu stimmen, soweit sie umsetzbar sind. Hier sind oft Kompromisse der schnellste Weg zum Ziel.

 

7. Wo wird Ihre Partei sichere Radrouten zu Schulen schaffen oder die bestehenden verbessern?

Aus Sicht der FDP Hennef ist Hennef in allen Bereichen für Fahrradfahrer noch weit zurück gegenüber vielen anderen Kommunen. Gerade die Schulwege halten wir alle für verbesserungsfähig. Hier müsste eine umfassende Untersuchung mit pragmatischen Lösungen das Ziel sein. Bisher erleben wir leider, dass bei fast allen Anträgen hierzu der Kraftfahrzeugverkehr der Sieger bleibt. Wir bekommen fast immer nur die Antwort, warum es angeblich nicht geht. Müssen aber in Nachbarkommunen sehen, dass dies nicht so sein muss, wenn der Wille vorhanden ist.

 

8. Bei der Stadt Hennef gibt es keinen konkret zuständigen Ansprechpartner für den Radverkehr – wie wollen Sie das ändern?

Wie schon erwähnt scheint in Hennef das Prinzip „pro Kfz“ nach wie vor zu herrschen. Die handelnden Personen in der Verwaltung lehnen regelmäßig Anträge ab, die Verbesserungen für Fußgänger und Fahrräder bedeuten könnten. Das ist keine Frage einer Ansprechperson, sondern der politischen Leitung der Verwaltung. Wenn die Doktrin “Fußgänger- und Fahrrad freundlich geht vor“ durch die Leitung der Verwaltung etabliert und eingefordert würde, könnte jeder in der Verwaltung der richtige Absprechpartner sein!

 

9. Welche Ideen hat Ihre Partei für eine verbesserte Verknüpfung von ÖPNV (Bus und Bahn) und Radverkehr?

Hier wären die Radstation am Bahnhof, sowie überall verfügbare Fahrradstellplätze (insbesondere bei Bushaltestellen) ein guter Anfang.

 

10. Wo hält Ihre Partei konkret die rotflächige Markierung von Radwegen und die Einrichtung von geschützten Radfahrstreifen (Protected Bike Lanes) für erforderlich?

In einer fahrradfreundlichen Stadt, wie wir sie uns wünschen sollte die Beweislast umgekehrt sein. Es sollte heißen: „Auf allen Straßen sind rote Fahrradwege eingezeichnet, es sei denn es gibt einen Grund dies nicht zu tun!“

 

11. Wird für Ihre Partei den Radtourismus in Hennef fördern und wenn ja, auf welche Weise? Gehört die Asphaltierung des Sieg-Radweges vor und hinter dem Bahnübergang Auel sowie die Aufhebung der Umleitung bei Chronos auch dazu?

Hennef schon durch seine besondere Topografie ein herausragendes Ziel für den Fahrradtourismus. Der Sieg- und Bröllauf im Tal, die natürlich bewachsenen Aufstiege zu den Höhen, sowie die fast 100, z.T. wunderschönen Dörfer, u.v.m. bieten ideale Bedingungen. Das muss einfach weiter ausgebaut werden. Und dazu gehören natürlich auch die genannte Asphaltierung und die Aufhebung des Radverbots hinterm Chronos, welches sicher nur auf Grund der erhöhten Sturzgefahr eingerichtet wurde. Sowas kann man sicher baulich verändern.

 

12. Welche Bedeutung hat für Ihre Partei die Mitgliedschaft von Hennef in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte in NRW (AGFS)?

Wer Fußgänger- und Fahrradfreundlich sein will, muss auch in entsprechenden Vereinen Mitglied sein. Auf diesem Wege entstehen in der Regel sehr gute zusätzliche Ideen.

 

13. Welche konkreten Neubaumaßnahmen von Radwegen und Lückenschlüssen hält Ihre Partei für die kommende Wahlperiode für wichtig und umsetzbar?

Ziel muss sein, die Außenorte von Hennef in Zeiten des zunehmenden Pedelec-Verkehrs sicher an den Zentralort und an die S-Bahn-Haltepunkte anzuschließen. Berge stellen für Pedelec-Fahrer kein Hindernis dar und so ist absehbar, dass immer mehr Bürger das Fahrrad auch für den täglichen Weg zur Arbeit nutzen werden. Die vorhandenen Kreis-, Land- und Bundesstraßen sind für diesen Zweck auf Grund des hohen und schnellen KFZ-Verkehrs weitestgehend ungeeignet. Hier müssen von allen Beteiligten, d. h. Politik, Verwaltung und ADFC Routen entwickelt werden, die dem Fahrradfahren ein sicheres Erreichen ihrer Ziele ermöglicht. Die Entwicklung der Radpendlerrouten im Linksrheinischen hat gezeigt, wie effektiv gehandelt werden kann, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Leider sind diese Projekte oftmals nur mit zeitlicher Verzögerung umsetzbar, da oftmals Planungsleistungen, Grunderwerb etc. erbracht werden müssen. Deshalb muss ein breiter Konsens gefunden werden, um Knackpunkte wie z. B. Landschafts- und Naturschutz zu lösen.

Bestehende Verbindungen lassen sich erheblich schneller verbessern, wozu aber auch die Verwaltung wesentlich flexibler agieren muss. Dazu zählt für uns beispielhaft der Radweg von Siegburg nach Hennef, der auf Höhe von VW Thomas plötzlich endet und den ortsunkundigen Radfahrer erst einmal vor ein Rätsel stellt, wie es weitergeht. Auch der Radweg von Stoßdorf nach Geistingen über die Stoßdorfer Str. endet auf Höhe der Schützenstr. Plötzlich, ohne dass ein weiterer Verlauf auf Anhieb erkennbar ist. Die Attraktivität des Radpendelns steigert man nicht, indem man ihn durch unsinnige Verkehrsführungen verlangsamt.

 

14. Wo wird Ihre Partei zusätzliche Strecken mit einem Tempolimit von 30 km/h versehen, um die Geschwindigkeiten von Kfz und Radfahrenden zu harmonisieren?

Aus unserer Sicht könnte Tempo 30 in weiteren Stadtgebieten gelten. Entsprechende Umsetzungen hierzu müssen aber in Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgen.